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08.06.16

So will die Schweiz den Euro bei 1,10 Franken navigieren

Der Eurokurs purzelt auf 1,0930 Franken. Damit ist der Euro so wenig wert wie zuletzt vor zweieinhalb Monaten. Die diesjährigen Höchstmarke des Wechselkurses von 1,12 im Februar und 1,1130 im Mai rücken in die Ferne. Die Schweiz lässt sich ganz offenbar etwas Neues einfallen: Versteckte Euro-Stützungskäufe mithilfe des Maximalprinzips.

Von 522 Milliarden Franken auf 602 Milliarden Franken schwollen die Devisenreserven der Schweiz binnen der letzten zwölf Monaten an. Der steile Anstieg ist ein klares Indiz dafür, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) Wechselkurs-Aufhübschung betreibt. Ohne die über die Notenpresse finanzierten Euro-Stützungskäufe wäre der EUR/CHF-Kurs derzeit wahrscheinlich irgendwo zwischen 0,95 und 1,05.

Man habe kein neues Wechselkursziel, sagte SNB-Vizechef Fritz Zurbrügg Ende der letzten Woche der "Basler Zeitung" auf die Frage, ob es sich bei dem seinerzeit noch bei 1,10 Franken liegenden Euro um einen neuen Gleichgewichtskurs handele. Klar ist aber auch, dass die Schweizer Währungshüter am Devisenmarkt aktiv sind.

Anstatt eines neuen Mindestkurses bei 1,10 wäre es beispielsweise denkbar, dass sich die SNB börsentäglich ein Budget von 500 Millionen Franken zur Verfügung stellt. Ist die Summe in Euros eingetauscht, überlässt man den Euro-Franken-Kurs dem Spiel der freien Marktkräfte und versucht es am nächsten Tag erneut, den Wechselkurs aufzupäppeln.

In den Wirtschaftswissenschaften spricht man vom Maximalprinzip: Mit gegebenen Einsatzfaktoren (500 Millionen Franken) soll einen möglichst hoher Output (hoher EUR/CHF-Wechselkurs) erzielt werden. Beim Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken versuchte es die SNB mit dem Mininmalprinzip, also ein vorgegebenes Ziel mit minimalen Aufwand zu erreichen - und scheiterte kläglich.