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09.06.16

Schweizer Franken findet zu Glanz und Gloria zurück

1 Euro ist nurmehr 1,0885 Schweizer Franken wert. Was steckt hinter dem niedrigsten Euro-Franken-Kurs seit dem 15. April 2016? Ist es der in zwei Wochen stattfindende Brexit-Volksentscheid? Oder die leise vor sich köchelnde Spaltung der Eurozone? Der Währungsunion befindet sich in einem Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr herauskommt.

Letzte Umfragen zeigen, dass die EU-Gegner inzwischen leicht vorne liegen. Das ist eine dramatische Wende. Noch vor zwei Wochen waren die Befürworter eines EU-Verbleibs Großbritanniens mit bis zu 10 Prozentpunkten vorne. Devisenoptionen zum Schutz vor einem Stärkerwerden des Schweizer Franken sind so teuer wie seit elf Monaten nicht mehr. Damals notierte der Euro bei 1,03-1,04 Franken.

Ohne Strukturreformen der Euroländer dauere eine Rückkehr zu einer Inflationsrate von 2% länger, sagte EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Rede in Brüssel. Doch warum sollen die Euro-Südstaaten wahrhaftige Reformen ergreifen, um Beschäftigung und Potentialwachstum zu erhöhen? Solche Maßnahmen bergen sozialen Sprengstoff.

Wohl wahr ist, dass es die Euroländer bei einer Geldentwertung von 2% etwas leichter hätten, Staatsschulden zurückzuzahlen. Darüber hinaus stiegen die Steuereinnahmen. Es ist aber auch wahr, dass der Status Quo die bessere Option ist. Denn die niedrige Inflation ist ein Garant dafür, dass die EZB Staatsanleihen bis zum St. Nimmerleinstag kauft. Die Regierungen zahlen Zinsen an die EZB, die sie wenig später als Notenbankgewinn zurückbekommen.

Es macht demzufolge kein Sinn Deregulierungen und Arbeitsmarktreformen durchzuführen, um Wachstum und Inflation anzuschieben. Denn dies würde zu einer Situation führen, in der die EZB aufhört, Staatsanleihen zu kaufen. Länder wie Italien und Spanien würden sich mit einer Reformagenda, die ihren Namen tatsächlich verdient, quasi ihre eigenes Staatsschulden-Grab schaufeln.

Im Übrigen soll erwähnt sein, dass die Menschen in Südeuropa trotz hoher Arbeitslosigkeit im Großen und Ganzen in etwa genauso glücklich oder unglücklich sind wie die in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden. Ferner gilt es zu beachten, dass die Deutschen immer ein bisschen besser sein wollen als die anderen, was dann dazu führt, dass die Kluft in der Eurozone größer und größer wird.