15.6.16

Brexit, US-Leitzins: EUR/CHF leidet unter Fremdherrschaft

Der Schweiz Franken ist gefragt: Allein in den letzten zwei Wochen hat er gegenüber dem Euro um drei Prozent an Wert gewonnen. Dies führte zu einem Kursrutsch des Euros von 1,1105 auf 1,0790 Franken. Die schlechten Vorgaben kommen weniger aus der Eurozone. Vielmehr sind die Amerikaner mit ihrer grotesken Leitzinsdebatte und das Brexit-Rätselraten der Briten Schuld an der großen Verunsicherung.

Ohne die Brexit-Hysterie könnte 1 Euro immer noch, wie am 3. Juni 2016, mehr als 1,11 Franken wert sein. Die Industrieproduktion in der Eurozone erhöhte sich im April 2016 stärker als erwartet, teilt Eurostat mit. Darüber hinaus kann sich der Außenhandel sehen lassen. Der Handelsüberschuss der 19 Euroländer kletterte auf 28 Milliarden Euro - nach 23,7 Milliarden Euro im März 2016.

"Safe-Haven-Währungen wie der CHF (Schweizer Franken) und der JPY (Japanische Yen) werten seit Anfang Juni auf und dürften vor der britischen Abstimmung immer wieder unter Aufwertungsdruck geraten", heißt es in einem aktuellen Währungskommentar der Credit Suisse. Es erscheine
zunehmend wahrscheinlich, dass die SNB ihre Währungsinterventionen ausweiten muss, um eine weitere CHF-Aufwertung zu verhindern.

Während die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit dem Franken beschäftigt ist, erweitert die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Aufgabenbereich. Die EZB hat letzen Mittwoch für 348 Millionen Euro Unternehmensanleihen gekauft, wie nun bekannt wird. Sollte sie dieses Tempo durchziehen, käme sie pro Monat etwa auf sieben Milliarden Euro.

Dass die EZB nun direkt an den Privatsektor, unter Umgehung der Banken, Kredite vergibt, spricht für einen Anstieg der Risikobereitschaft. Davon müsste der Euro profitieren, alsbald die Agenda an den Finanzmärkten nicht mehr nicht mehr vom Brexit und dem Rätselraten über die Höhe des US-Leitzinses dominiert wird.

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