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04.05.16

Schlagabtausch: Noch 1 Jahr Euro-Franken-Infight um 1,10

Der Preis für den schönsten Währungsraum geht im Mai an die Eurozone. Die mit viel Zentralbankgeld provisorisch instandgesetzte 12-Billionen-Euro-Volkswirtschaft nehmen Anleger als Insel der Glückseligen wahr. Die USA, Großbritannien, China und Japan haben Sand im Getriebe. Der Euro steigt mit dem Franken in den Infight um die Marke bei 1,10 ein.

"Das nach wie vor schleppende Wachstum (im Euroraum) steht allerdings im Gegensatz zur Abkühlung in den USA und in Großbritannien, was darauf hindeutet, dass die aggressiveren Anreize der EZB dem Aufschwung doch zugute kommen", erklärt Chris Williamson, Chef-Volkswirt bei dem Forschungsinstitut Markit.

Der Euro befindet sich seit zwei Wochen im Infight mit dem Franken um die Marke bei 1,10. Nach mehreren gescheiterten Versuchen probiert er es erneut. Sollte der Euro den Schlagabtausch gewinnen, wäre ein Anstieg auf 1,12 Franken drin. Bei einer Niederlage dürfte es auf 1,08 gehen. An dieser Stellte würde dann die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro mit Stützungskäufen aufpäppeln.

Schlechte Nachrichten unerwünscht

In China sind die Regierenden inzwischen so besorgt, dass sie eine negative Berichterstattung der Medien über die Wirtschaftslage zensieren. Japans Konjunkturausblick bekommt Gegenwind von einem starken Yen. Die Bank von Japan traut sich nicht den Yen mit tieferen Negativzinsen abzuschwächen, weil sie sonst Gefahr liefe, die Verbraucher gegen sich aufzubringen.

Auf der Insel liegen die Brexit-Befürworter gemäß einer neuen Umfrage vorn. In den USA hat sich ein wichtiger Frühindikator, der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, stärker abkühlt als von Analysten erwartet.

"Insgesamt ist die SNB mit ihrer aktuellen Politik relativ erfolgreich, und es ist davon auszugehen, dass sie bis auf Weiteres daran festhält." So resümieren die Experten der Schaffhauser Kantonalbank über die Strategie der SNB mit negativen Zinsen und Devisenmarktinterventionen den Franken abzuschwächen.

Die Kantonalbank rechnet mit einem Infight-Marathon: Ihren Wechselkursprognosen zufolge wird der Eurokurs in diesem und nächsten Jahr bei 1,10 Franken ausharren. Die 3. Phase seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken wäre damit wesentlich unspektakulärer als die beiden vorangegangenen.