01.04.16

Immer mehr Krisenherde wegen Draghis Devisendumping

Portugal braucht einen Notfallplan, Spaniens Haushaltsdefizit gerät außer Kontrolle, ein Bösenbeben bei Bank-Aktien und der starke Euro. Die Euro-Retter, allen voran die Europäischen Zentralbank (EZB), machen einen Schritt nach vorne und zwei zurück. Die USA haben genug davon, sich von Mario Draghis Währungsdumping die Handelsbilanz verhageln zu lassen. Notenbankchefin Janet Yellen ist nicht länger bereit auf Wachstum zu verzichten, um den größten Handelspartner über die Runden zu bringen.

Weil Portugal Gefahr läuft auch in diesem Jahr seine Haushaltsziele zu verfehlen, fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) die Regierung in Lissabon auf, einen Notfallplan auszuarbeiten. Portugals Defizit lag 2015 bei 4,4%, angestrebt waren 2,7%. Das seit vier Monaten ohne eine handlungsfähige Regierung dastehende Spanien kam 2015 auf ein Haushaltsdefizit von 5,2%. Das Defizit lag damit zum x-ten Mal höher es die Spanier ihren Euro-Partnern versprochen hatten.

Im Bankensektor ist die Stimmung schlecht. Die Anteilsscheine von Geldhäusern wie der Deutschen Bank und italienischen Instituten wie Intesa Sanpaola und Unicredit peilen neue Tiefstände an. Italiens Banken sind der Krisenindikator schlechthin, weil sie hohe Bestände an Staatsanleihen haben und über kein nennenswertes internationales Geschäft verfügen.

Früher waren italienische Staatsanleihen ein guter Krisenindikator. Weil die EZB aber deren Kurse und Zinshöhe den freien Marktkräften entzogen hat, mussten sich Marktteilnehmer einen neuen Krisenindikator suchen.

Es kommt auch bei Aktien der Banken zu Eingriffen. Wenn etwa dem italienischen Staat etwas mit der freien Preisbildung nicht passt, dann setzt er schon einmal den Handel aus oder verbietet die Aktien leerzuverkaufen. Beides bringt überhaupt nichts, zeigen die Erfahrungen der Finanzkrise 2008. Europäische Banken seien von den Märkten unterbewertet, sagte EZB-Vizepräsident Constancio auf dem Höhepunkt des letzten Banken-Bebens im Februar in New York.

Die EZB-Banker, sie ticken nicht richtig. Man stelle sich vor Fed-Chefin Janet Yellen käme nach Europa und würde sagen, die Aktien von Goldman Sachs seien derzeit günstig zu haben.

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Die Amerikaner haben offenbar genug von den Europäern. Zwei Jahre sah die US-Notenbank (Fed) der EZB dabei zu, wie sie den Euro zum US-Dollar abschwächte, um mehr europäische Produkte in den USA zu verkaufen. Jetzt scheint damit Schluss zu sein. Yellen schwenkte in dieser Woche um. Sie dachte bei einer Rede in New York laut über den erneuten Ankauf von Staatsanleihen (QE) und Zinssenkungen nach. Daraufhin kletterte der Euro mit 1,1440 US-Dollar auf den höchsten Stand seit über einem halben Jahr.

Yellen sitzt am längeren Hebel, um den Euro-Dollar-Kurs auf ein für beide Seiten einigermaßen faires Niveau von 1,20-1,30 Dollar zu bringen. Draghi hat sein Pulver mit den jüngsten Zinssenkungen und der Aufstockung der Käufe von Staatsanleihen verschossen.