8.4.16

Gräben zwischen Deutschland und EZB werden tiefer

Der Euro-Franken-Kurs nimmt die Worte von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet für bare Münze. Es ist wenige Tage her, dass die in Deutschland so umstrittene Notenbank ihre noch umstritteneres Wertpapierkaufprogramm von 60 auf 80 Milliarden Euro erhöhte, da spricht Praet von weiteren Lockerungen. Der Euro sinkt unter 1,09 Franken, Bank-Aktien sind auf der Abschussliste.

Hat er das jetzt gesagt, um den auf 1,1450 gestiegenen EUR/USD-Kurs eins auszuwischen? Oder ist tatsächlich bereits das nächste Lockerungspaket in der Pipeline? Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte im Falle von Finanz-Schocks neue Maßnahmen beschließen, verkündet Praet bei der jährlichen Konferenz "The ECB and it's Watchers".

Taumelnde Aktienkurse europäischer Banken liefern der EZB einen Finanz-Schock auf dem Silbertablett. Der Benchmark-Index für den Banken-Sektor, der Stoxx 600 Banks, sank in den letzten drei Wochen von 160 Punkten auf 135 Zähler (-15,63%). Es fehlt nicht mehr viel, dann ist das Mehrjahrestief vom Februar bei 130,50 Punkten erreicht.

Geldhäuser wie Deutsche Bank und Unicredit stehen im Auge des Sturms. Bei einem weiteren Absinken der Aktienkurse zöge das die die ohnehin schon schwache Konjunktur in Euroland in Mitleidenschaft. Ohne Banken, die Kredit an Unternehmen und Verbraucher vergeben, funktioniert die schuldgetriebene Wirtschaft nicht.

"In Deutschland gibt es viele Attacken gegen die EZB. Wie in diesem Land auf diese Institution geschossen werde, ist manchmal schwer zu ertragen", so Praet. Die "Bild"-Zeitung stellte Notenbankchef Draghi nach seinem jüngsten Lockerungspaket zusammen mit einem brennenden Polizei-Auto da und fragte: Verbrennt Draghi unser Geld?

Die Glaubwürdigkeit der EZB in Europas größter Volkswirtschaft, sie scheint damit endgültig hinüber. Das Kernproblem besteht offenbar darin, dass die Deutschen in der EZB, wo Vertreter aus Euroländern mit hoher Arbeitslosigkeit und einer schwachen Wirtschaft das Sagen haben, kein Erfolgsmodell sehen.

Viele der Notenbank-Professoren aus Südeuropa waren vorher in der Politik, und haben dazu beigetragen, dass ihre Länder in der Krise landeten. Draghi war beispielsweise Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums. EZB-Vizepräsident Constancio war Generalsekretär der Sozialisten in Portugal, also jener Partei, die Portugal so schlecht regierte, dass es ein Rettungspaket benötigte.

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