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18.03.16

Draghi trickst sie alle aus - nun auch die Schweiz

Der Euro sackt auf 1,09 Franken ab, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) überraschend neue Zinssenkungen ins Gespräch bringt. Es ist sehr schwer nicht den Überblick zu verlieren, so oft wie die Währungshüter die Meinung wechseln. Vor einer Woche hieß es noch, weitere Zinssenkungen seien nicht notwendig. Am Devisenmarkt kommt es zu einem Rückfall des EUR/CHF-Kurses von 1,10 auf 1,09.

Im EZB-Rat erwarte man die Zinsen auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau, erklärt Notenbankchef Mario Draghi am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Damit die Märkte die Botschaft auch wirklich verstehen, sagt EZB-Chefökonomn Peter Praet im Gespräch mit der italienischen Zeitung "La Repubblica", dass man das untere Ende bei den Zinsen noch nicht erreicht habe.

Es ist ein gemeiner Schachzug aus der Sicht der Schweiz. Bis zu gestrigen Sitzung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) galt nämlich noch Draghis zuvor gemachtes Versprechen: "Aus heutiger Sicht gehen wir nicht davon aus, dass es notwendig sein wird, die Zinsen weiter zu senken." Der Euro profitierte von dieser Aussage. SNB-Präsident Thomas Jordan hatte keinen Anlass, der jüngsten EZB-Geldschwemme eine Zinssenkung entgegenzusetzen.

"Die SNB lässt ihre Zinspolitik unverändert. Das ist auch richtig so. Akuter Handlungsbedarf auf der Zinsseite besteht in Anbetracht eines Wechselkurses von rund 1,10 gegenüber dem Euro nicht. Mario Draghi hat mit seinem Hinweis, dass vorerst mit keinen weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei, Thomas Jordan einen Freundschaftsdienst erwiesen", hatte man sich bei der VP Bank aus Liechtenstein bereits gefreut.

Doch Draghi erweist außer den südeuropäischen Euroländern, die die lockere Geldpolitik brauchen wie die Luft zum atmen, niemand einen Freundschaftsdienst. Die EZB trickste Deutschland bereits aus, nun also auch die Schweiz. Das einzige, was der SNB bis zu ihrer nächsten Sitzung in drei Monaten übrig bleibt, um einen weiteren Rückfall des EUR/CHF-Kurses zu verhindern, sind die ungeliebten Interventionen am Devisenmarkt.