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22.02.16

Hohe Inflation taucht plötzlich auf dem Radarschirm auf

Europa ist nicht so weit von einem kräftigen Anstieg der Inflation entfernt wie viele denken. Es braucht im Grunde genommen nur noch einen Rückgang der Arbeitslosenrate um ein halbes Prozent, um man wäre wie da, wo man vor sechs Jahren war: Bei einer Inflation von 2%. In den USA kann man aktuell bereits sehen, wie schnell die Inflation auf einmal steigen kann. Sich dauerhaft auf tiefe Ölpreise zu verlassen, ist gefährlich.

Im Januar 2016 waren die Verbraucherpreise im Euroraum lediglich um 0,4% höher als im Januar 2015. Die Kerninflation, also jene Teuerung, die die Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, lag bei 1,0%. Jeder der zur Miete wohnt oder zusätzliche Krankenkassenbeiträge entrichten muss, fühlt jedoch deutlich mehr Inflation. In Deutschland kommt noch dazu, dass die Strompreise in diesem Jahr wieder steigen werden.

In den USA kletterte die Kerninflation zu Jahresbeginn überraschend deutlich auf 2,2%, wie die US-Statistikbehörde am Freitag mitteilte. Damit gibt es in den Vereinigten Staaten so viel Inflation wie seit knapp viereinhalb Jahren nicht mehr. Ohne den Ölpreisabsturz wäre die Inflation auf der anderen Seite des Atlantiks womöglich schon bei 3-4%.


Hintergrund ist die tiefe US-Arbeitslosenrate bei 4,9%. Gemäß der Phillips-Kurve führt ein Rückgang der Arbeitslosenraten zu einem Anstieg der Inflation. Wenn das so ist, dann müsse man sich im Euroraum, wo die Arbeitslosenrate bei 10,4% liege, ja keinen Sorgen machen, sagen die Anhänger weit geöffneter Geldschleusen.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Was in den USA für eine Arbeitslosigkeit von 5% gilt, ist im Euroraum für eine Arbeitslosenrate von 10% gültig. Die aktuell im Euroraum bei 10,4% liegende Arbeitslosenquote müsste daher lediglich um ein halbes Prozent fallen, und sie wäre so tief wie in den Jahren 2010-2011. Seinerzeit lag die Inflation im Euroraum bei 2%.

Aus wirtschaftsethischer Perspektive ist es fraglich, wie lange das mit den tiefen Ölpreisen noch gut geht. Der reiche Euroraum kann sich quasi mit ein paar Mausklicks beliebig viel Papiergeld schaffen, und damit Öl zum Spottpreis aus den ärmeren Förderländern kaufen. Erdöl zu fördern ist aber eine Knochenarbeit, die zu einem fairen Preis entlohnt werden sollte.