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16.02.16

Die Papiergeld-Tiger von der EZB missüberschätzen sich

In Japan hat es drei Jahre gedauert, bis die Notenbank mit ihrem Latein am Ende war. Die Europäer sind flotter. Mario Draghi hat bereits nach knapp zwei Jahren sein Pulver verschossen. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ist man der festen Überzeugung, dass weit geöffnete Geldschleusen und eine Rezession zwei Dinge sind, die sich gegenseitig ausschließen. Die EZB sitzt der trügerischen Annahme auf, sie könne die wirtschaftliche Erholung unbegrenzt in die Zukunft fortschreiben.

Die Wachstumsorganisierer der Bank von Japan haben mit ihrer ultralockeren Geldpolitik (Abenomics) an den Aktienmärkten in drei Jahren ein Plus von 80% geschafft. "Abenomics war eine spezielle Zeit, in der man beinahe mit allen Investitionen Geld verdienen konnte", zitiert Bloomberg den japanischen Hedgefonds-Manager Toru Hashizume. Doch nun ist der Ofen aus. Japans Wirtschaft schrumpfte im Schlussquartal 2015 stärker als erwartet.

Mario Draghis Lockerungsrunde begann im Mai 2014. Sie ist für japanische Verhältnisse ein Rohrkrepierer. Denn Draghi konnte den Benchmark-Aktienindex für den Euroraum, den Euro Stoxx 50, lediglich von 2.550 Punkte auf 3.818 Punkte (+50%) anheben. Das Hoch wurde im April 2015 erreicht. Seit zehn Monaten ist der Euro Stoxx 50 am sinken, ein klares Indiz dafür, dass die EZB ihr Pulver verschossen hat.

Von nun an geht es nur noch darum, Geld zu drucken, um eine Rezession zu verhindern. Die EZB-Bilanzsumme ist wegen des Ankaufs von Staatsanleihen auf 2,8 Billionen Euro gestiegen. Die Wirtschaftsleistung des Euroraums liegt bei etwa 12 Billionen Euro. Draghi hat damit 23% der Wirtschaftsleistung in seiner Papiergeld-Bilanz. Bei der Euro-Bargeldeinführung im Jahr 2002 lag das Verhältnis gerade mal bei 7%.

Standard & Poor`s sagte schon im Sommer, dass Draghi mit den Anleihe-Käufen auf 2,4 Billionen Euro nach oben gehen werde. Die EZB-Bilanzsumme wäre dann bei etwa 4,5 Billionen Euro (38% der Wirtschaftsleistung). Schon jetzt sind die Nebenwirkung unübersichtlich. Anleger gehen wegen der Niedrigzinspolitik, die gemäß Draghis rechter Hand, EZB-Direktor Benoit Couere, erforderlich ist, um die wirtschaftliche "Erholung abzusichern", immer größere Risiken ein. Die nächsten Kreditausfälle und Bankenkrisen sind somit nur eine Frage der Zeit.