07.01.16

Knicken Eurokurs und Wirtschaft wie 2008 ein?

Der Euroraum steigt zum Wachstumsmotor der Weltwirtschaft auf, was dem Euro-Wechselkurs zugute kommt. Zentrale Konjunkturdaten vom Arbeitsmarkt, dem Konsumverhalten und der Industrie zeigen, dass das Wachstum deutlich anzieht. Allerdings ist die Erholung nicht in trockenen Tüchern. Die Finanzmarkt-Turbulenzen können den Aufschwung in einen Abschwung umkehren. Investorenlegende George Soros sieht bereits Parallelen zu der Lage im Jahr 2008.

Die Arbeitslosenrate im Euroraum sinkt überraschend auf 10,5%. Das ist der niedrigste Stand seit Oktober 2011. Die Verbraucher sind so optimistisch wie seit knapp fünf Jahren nicht mehr, wie ein aktuelles Konjunkturbarometer der EU-Kommission zeigt. Der Industriesektor verzeichnet den stärksten Zuwachs seit anderthalb Jahren, nachdem der Aufschwung gemäß einer Umfrage des Forschungsinstitutes Markit unter Einkaufsmanagern nochmals an Dynamik gewonnen hat.

Wegen der freundlichen Konjunktur kann sich der Eurokurs momentan trotz Börsenturbulenzen bei 1,08-1,09 Franken stabilisieren. Eingefleischte Beobachter des Wechselkurses wissen aber, dass sich das rasch ändern kann. Ein etwaige weltweite Finanzkrise, die dieses Mal nicht in den USA, sondern in China beginnt, würde die Nachfrage nach dem als sicheren Hafen wahrgenommenen Schweizer Franken erhöhen.

Weiterlesen: 4 Sprengfallen für den Euro-Franken-Kurs 2016

"Wenn ich auf die Finanzmärkte blicke, sehe ich eine ernste Herausforderung, die mich an die Krise erinnert, die wir 2008 hatten", sagt der Hedgefonds-Manager George Soros bei einer Rede auf einem Wirtschaftsforum.

Soros gelang es vor acht Jahren als einem der wenigen Anleger, in der Krise kein Geld zu verlieren. Er konnte mit seinen Fonds sogar einen ordentlichen Gewinn machen. Der gebürtige Ungar vertritt die Auffassung, dass die Finanzmärkte in der Lage sind die Realwirtschaft in tiefe Rezessionen zu stürzen. Wenn die Stimmung einmal gekippt ist, schaukeln sich fallende Börsen und schlechter werdende Konjunkturdaten gegenseitig auf. Es kommt zu einem Teufelskreis.

Der Punkt, an dem es aus einer Rezession kein Entrinnen mehr gibt, ist trotz des aktuell stattfindenden Börsenbebens offenbar noch nicht erreicht. Sollte sich die Bedrohungslage wegen der Abschwächung der chinesischen Währung (Yuan) und weltweit sinkender Aktienkurse verschärfen, dürfte es allerdings für den Eurokurs und den exportabhängigen Euroraum eng werden.