Dieser Blog wurde unterbrochen und wird voraussichtlich ab Februar 2018 mit einem neuen Themen-Schwerpunkt fortgesetzt.

05.01.16

EUR/CHF-Kurs: Was rauf geht, kommt auch wieder runter

Es war ein ermutigender Jahresauftakt für den Euro: Trotz Börsenbeben in China und einem Konflikt zwischen dem Iran und Saudi-Arabien klettert der Eurokurs auf 1,09 Franken. Ob die Gemeinschaftswährung auch den Krisenschauplatz in der Heimat so einfach bewältigt, ist hingegen fraglich. Bei der Bekämpfung der tiefen Inflation gibt es einen herben Rückschlag. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis die EZB neue Milliardensummen ins Schaufenster stellt.

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im Dezember 2015 bei 0,2%. Das ist ein Zehntel dessen, was die Europäische Zentralbank (EZB) anpeilt. Volkswirte hatten mit 0,4% gerechnet. Würde die EZB noch nach dem Bundesbank-Modell arbeiten, wäre die tiefe Teuerung eine gute Nachricht für den Euro. Eine geringe Geldentwertung macht eine Währung stärker, wie man anhand der Wechselkursentwicklung der Deutschen Mark zum US-Dollar über Jahrzehnte hinweg beobachten konnte.

Als die EZB Ende der 1990er Jahre übernahm, hieß das offizielle Ziel die Inflation unter 2% zu halten. Erst Mitte der 2000-Jahre beschlossen die Währungshüter den Zusatz "knapp" hinzuzufügen. Dieses Wörtchen ist heute die tragende Säule für die Geldpolitik von Notenbankchef Mario Draghi. Für den Italiener ergibt sich die indiskutable Notwendigkeit mit dem Drucken von Zentralbankgeld die Inflation anzuheizen.

Würde das Bundesbank-Modell noch gelten, würde man die tiefe Teuerung einfach aussitzen. Die Gefahr einer Deflation besteht nicht. Die Kerninflation, als jene, die die Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, liegt bei knapp 1%.

Indes schießen Spekulationen über weitere Lockerungen der EZB ins Kraut: Wenn die Notenbank im März 2016 neue Inflationsprognosen vorliegt, könnte sie den Einlagenzins auf -0,40% (aktuell: -0,30%) senken und den Kauf von Staatsanleihen bis weit nach den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im Frühjahr 2017 verlängern, sagen Analysten. Mario Draghi bekäme doch noch das, was ihm der Zentralbankrat beim letzten Mal verwehrte.