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09.01.16

Automatische Stabilisatoren drosseln Euro-Motor

Die Schweizer Notenbank drängt 2016 auf eine Abschwächung des Frankens über die Zins-Schiene. Das Vorhaben enthüllt Notenbankchef Thomas Jordan in der Fernsehsendung "Eco". Die Kursentwicklung des Euros untermauert die Glaubwürdigkeit dieser Strategie. Seit vier Wochen geht es mit dem EUR/CHF-Wechselkurs kontinuierlich nach oben. Noch greifen die automatischen Stabilisatoren nicht ein.

"Die Negativzinsen sind wichtig", so Jordan. Es brauche eine Zinsdifferenz zum Euro. "Das macht die Franken-Anlagen weniger attraktiv, und dadurch haben wir weniger Druck auf den Franken." Jordans Plan scheint aufzugehen, auch weil es bei dem Sicheren-Hafen-Wettbewerb, den sich beide Währungen liefern, eine Pattsituation gibt. Der Euro notiert aktuell bei knapp 1,09 Franken - nach 1,07 Franken Anfang November 2015.

Schaut man sich die Zinsentwicklung von schweizerischen und deutschen Staatsanleihen an, wird schnell klar, was Jordan im Schilde führt. Eidgenössische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren rentieren aktuell bei -0,88%. Ihre deutschen Pendants sitzen mit -0,40% im Minus. Die Schweizer Notenbank berechnet einen Zins auf Sichteinlagen von -0,75%, die Europäische Zentralbank von -0,30%.

Automatische Stabilisatoren

Sollte sich der Schweizer Franken deutlich abschwächen, würde das die Konjunktur in der Schweiz über die Export-Schiene anfachen, erklärt Jordan. Bei einem stärkeren Franken käme es hingegen zu einer Konjunkturabkühlung. Automatische Stabilisatoren prägen somit den Euro-Franken-Kurs.

Sollte es beispielsweise zu einer Situation 1 Euro = 1 Franken (Parität) kommen, würde die Schweizer Wirtschaft in eine Rezession rutschen. Der Euro würde das Ausnutzen und wieder Richtung 1,10 Franken steigen. Umgekehrt ist für den Euro vermutlich nicht mehr als 1,20 Franken drin. Die Schweizer Wirtschaft würde dann den Euroraum beim Wachstum überflügeln, was wiederum eine Franken-Aufwertung Richtung 1,10 nach sich zöge.

"Die Gefahr einer Rezession im Falle eines zu starken Frankens dürfte das Währungspaar nach unten hin im Zaum halten", schreibt der Devisenexperte Daniel Trum von der UBS. Die größte Bank der Schweiz sieht den Eurokurs 2016 bei 1,10 Franken.

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