Dieser Blog wurde unterbrochen und wird voraussichtlich ab Februar 2018 mit einem neuen Themen-Schwerpunkt fortgesetzt.

24.11.15

EUR/CHF-Kurs sagt Ade zur Realwirtschaft

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz blickt mit Wehmut auf den Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken. Ungeachtet dessen entfernt sich der Wechselkurs von der alten Untergrenze immer weiter. Die Talfahrt ist angesichts ausgezeichneter Konjunkturdaten aus dem Euroraum ernüchternd. Der Euro-Franken-Kurs notiert den vierten Handelstag in Folge mit Abschlägen. 1 Euro ist aktuell 1,08 Franken wert. Es müssen wohl erst die Notenbanken ran, bevor es über 1,10 gehen kann.

"Es ist unfair zu erwarten, dass die Realwirtschaft die Konsequenzen aus den Bewegungen auf den Kapitalmärkten trägt", sagt Stiglitz mit Blick auf die drastische Abschwächung des Euros zu Jahresbeginn. Die Aufhebung des Euro-Mindestkurse bei 1,20 Franken durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) sei ein Fehler gewesen, kommentiert der Nobelpreisträger gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP.

Die aktuellen Entwicklungen am Devisenmarkt geben Stiglitz recht. Der Wechselkurs des Euros zum Franken hat sich von der Realwirtschaft vollkommen abgekoppelt. "Die Eurozone vermeldet für November das stärkste Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum seit viereinhalb Jahren", teilt Markit mit. Der von dem Forschungsinstitut ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Industrie und den Dienstleistungsbereich klettert mit 54,4 Punkten auf den höchsten Stand seit Mai 2011.

In Deutschland kommt es darüber hinaus zu einer erheblichen Verbesserung des Geschäftsklimas. Der von dem Ifo-Institut herausgegebene Index steigt mit 109,0 Punkten auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich von der zunehmenden weltweiten Unsicherheit unbeeindruckt. Nicht einmal die Anschläge von Paris haben sich in den Daten negativ bemerkbar gemacht", kommentiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Dass sich der Euro-Franken-Kurs von dem Reigen guter Konjunkturdaten aus dem Euroraum nicht zu einem Anstieg verleiten lässt, liegt an einer über dem Devisenpaar hängenden Ungewissheitswolke. Sie wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) dort platziert. Ungeachtet des anziehenden Wachstums im Euroraum will die Notenbank den Geldhahn weiter aufdrehen.

Sollte die EZB am 3. Dezember 2015 ihren Einlagenzins senken, dürfte sich die SNB veranlasst sehen, einen ähnlichen Schritt zu unternehmen, sagt die Credit Suisse. Demnach hätte der Euro erst wieder eine Chance gegenüber dem Schweizer Franken zu steigen, wenn beide Notenbanken ihre Zinsen gesenkt haben. Der EUR/CHF-Wechselkurs könnte sich wieder auf die bessere Wirtschaftslage im Euroraum konzentrieren und einen Anstieg über 1,10 ins Auge fassen.

Weiterlesen: Euro steigt auf 1,22 Franken, sagt Bank-Austria-Mutter