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13.10.15

Darf der Euro erst 2016 sein Abwärtspotential auskosten?

Wie von magischer Hand hält sich der Euro-Franken-Kurs bei 1,10 Franken. Jedes Mal, wenn der Wechselkurs Anstalten macht nach unten abzudriften, wird er aufgehalten. Dahinter könne eigentlich nur die Schweizerische Nationalbank stecken, sagen Marktbeobachter. Sie habe keine andere Wahl, als den Euro zu stützen. Täte sie es nicht, würde sie astronomische Verluste einfahren.

Der Euro begibt sich nach schlechten Konjunkturdaten aus Deutschland auf einen Sinkflug. Die Gemeinschaftswährung fällt von 1,0950 auf 1,0890 Franken, als bekannt wird, dass Finanzmarktexperten den Konjunkturausblick für die deutschen Wirtschaft zum siebten Mal hintereinander abstufen.

Wie von Geisterhand hört der Eurokurs plötzlich auf zu fallen und klettert zurück über 1,09 Franken. Weil dies in den letzten Wochen immer wieder passierte, lässt sich daraus schlussfolgern, dass in dem Bereich 1,0850-1,09 Franken ein größer Euro-Käufer aufwartet. Hierbei kann es sich eigentlich nur um die Schweizerische Nationalbank handeln.

"Angesichts der nur schleppenden Konjunktur und der breiten Preisrückgänge kauft die Schweizerische Nationalbank (SNB) unserer Meinung nach derzeit regelmäßig Fremdwährungen, um den Franken zu schwächen. Die Volumen sind mit durchschnittlich CHF 500 Millionen pro Woche aber gering", stellte die Credit Suisse bereits Anfang Oktober fest.

Verschleierung

Die Währungshändler gehen offenbar so geschickt vor, dass man mit kleinen Summen auskommt. Per Ende September 2015 lagen die Devisenreserven der SNB bei 541,5 Milliarden Franken. Das war ein Plus gegenüber dem Vormonat von lediglich 1,5 Milliarden Franken. Als Spekulanten die Euro-Stützgrenze bei 1,20 Franken unter Beschuss nahmen, kletterte der Fremdwährungsbestand oft um mehr als zehn Milliarden Franken pro Monat.

Die SNB dürfte bei ihren aktuellen Interventionen darauf bedacht sein, so wenig wie möglich Aufmerksamkeit zu erregen. Denkbar wäre, dass man einen Teil der bei 1,0850-1,09 Franken aufgesaugten Euros zurück in den Markt gibt oder gegen Dollar einwechselt, um einen deutlichen Anstieg der Devisenreserven zu verschleiern.

Notenbankchef Thomas Jordan braucht einen Eurokurs von mindestens 1,10 Franken, besser noch von 1,15 Franken, damit er vor dem Schweizer Steuerzahler nicht als Pleite-Jordan dasteht. Den Großteil ihrer Euro-Resereven hat die SNB bei Wechselkursen von 1,20 Franken angehäuft. Dieser Bestand muss wegen der Aufhebung des Mindestkurses zum Jahresende wertberichtet werden.

Je tiefer der Euro-Franken-Kurs am 31.12.2015 steht, umso größer ist das Loch in der Bilanz. Jordan droht bei Eurokursen von 1,00-1,05 Franken ein astronomischen Verlust von mehr als 100 Milliarden Franken. Die SNB dürfte daher in den verbleibenden zweieinhalb Monaten bis zum Jahresende versuchen, den Euro mit magischer, unauffälliger Hand bei 1,10 Franken zu halten.

Zum Thema:
Der große Schweizer Mindestkurs-Schwindel (Teil 1 - Ausgangslage)