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25.09.15

Japanifizierung Europas: Euro ist Stabilitätsanker

Der Euro kann sich mit Notierungen unter 1,09 Franken nicht anfreunden. Die stabile Seitwärtsbewegung auf erhöhtem Niveau führen Marktbeobachter auf eine Japanifizierung des Euroraums zurück. Sie macht den Euro zu einem sicheren Hafen. Die alternden Europäer brauchen kein fremdes Geld, um ihre Schulden zu finanzieren, und so bleibt der Euro-Franken-Kurs vor einem Absturz verschont.

"Der Euro ähnelt dem Yen - Geld kommt nach Hause, wenn die Welt ein unsicherer Ort ist", sagt der Devisenexperte Kit Juckes von der Société Générale. Die EZB würde es nicht mögen, wenn der Euro von den aktuellen Niveaus aufwertet. Das Risiko eines stärkeren Euro bestehe aber, falls sich die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten weiter eintrübt, so Juckes.

Die USA haben die Leitwährung Dollar, die sie im Grunde genommen unangreifbar machen. Die Europäer haben ihre Außenhandelsüberschüsse. Weil sie mehr Waren und Dienstleistungen exportieren als importieren, strömt laufend Geld in den Euroraum. Mit den Kapitalzuflüssen lassen sich die Staatsschulden finanzieren.

Wegen der Unabhängigkeit der Europäer von ausländischen Financiers bleibt der Euro vergleichsweise stark. Er sank trotz Staatsanleihenkäufen der Europäische Zentralbank (EZB) bisher nicht wie von vielen Experten prognostiziert auf ein Austauschverhältnis von 1 Euro = 1 Dollar. Gegenüber dem Schweizer Franken wertete er in den letzten vier Monaten sogar um sechs Prozent auf.

Der japanische Yen legte nach der Finanzkrise 2008 ein ähnliches Verhalten an den Tag. Japan hat die gleichen Probleme wie Europa: Eine alternde Bevölkerung und ein schwaches Wachstum. Dank Außenhandelsüberschüssen und enormen Geldvermögen der Japaner kam der Yen aber nicht unter Druck. Er wertete sogar massiv auf.