10.08.15

Merkels Stimmvieh ermutigt Euro 1,10 Franken anzugreifen

Angekommen bei 1,08 Franken schielt der Euro auf 1,10 Franken. Sollte der Wechselkurs bald mit einer Eins nach dem Komma beginnen, wäre das auch ein Verdienst von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beim Thema Griechenland-Rettung macht sie aus den Abgeordneten ihrer Partei Stimmvieh. An den Finanzmärkten kommt es gut an, wenn Europas Zahlmeister die Geldbörse öffnet.

Der Euro klettert auf 1,0790 Franken. Das ist der höchste Stand seit fünfeinhalb Monaten. Eine Einigung über das dritte Hilfspaket für Griechenland wird aller Voraussicht nach noch in dieser Woche unter Dach und Fach gebracht. In Deutschland bringt derweil Angela Merkels Generalsekretär die Partei auf Linie. Wer sich gegen neue Schecks für Griechenland ausspricht, hat in Deutschlands Parteien-Demokratie keine Zukunft.

"Diejenigen, die mit Nein gestimmt haben, können nicht in Ausschüssen bleiben, in denen es darauf ankommt, die Mehrheit zu behalten: etwa im Haushalts- oder Europaausschuss", sagt Merkels Generalsekretär Volker Kauder der "Welt am Sonntag". Daraufhin kritisiert der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeld, der dem Haushaltsausschuss angehört, im "Kölner Stadt Anzeiger": "Es kann nicht sein, dass man nur noch Stimmvieh der Parteiführung ist."

Gegen den Willen von Angela Merkel (CDU), die Deutschlands beliebteste Politikerin ist, haben die Abweichler in der CDU freilich keine Chance. Und so dürfte Griechenland recht zügig frische Hilfsmilliarden bekommen. Der Grexit wäre erst einmal vom Tisch. Der Euro käme ohne Stützungskäufe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus.

Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise Ende Juni, als der Eurokurs drohte unter 1,03 Franken zu sinken, griff die SNB, wie ihr Vizedirektor Fritz Zurbrügg nun noch einmal einräumte, ein. Man habe die Bereitschaft zu intervenieren nach Ankündigung des Referendums in Griechenland verdeutlicht, "als es zu verstärkten Safe-Haven-Geldzuflüssen in den Franken kam", erklärt Zurbrügg in der Zeitung "Finanz und Wirtschaft".

Auch dank Merkels Stimmvieh ist die Schweizerische Nationalbank nun in der komfortablen Lage auf weitere Euro-Stützungskäufe zu verzichten. Der Euro hat sich in den vergangenen Wochen ganz alleine von 1,03 auf 1,08 Franken (+4,85 Prozent) nach oben gearbeitet. Aus der Sicht der Schweizer Notenbank ist es am geschicktesten sich zurück zu lehnen und dem Anstieg einfach nur zuzusehen.