08.06.15

Österreichs Franken-Kreditnehmer atmen auf

Die österreichische Wirtschaft lässt sich von Franken-Krediten nicht länger nach unten ziehen. Es kommt zu einem Konjunkturaufschwung, der von weniger Sorgen der Häuslbauer gespeist wird. Deutschland wird überholt, prognostiziert die Österreichische Nationalbank (OeNB). Eine Verdoppelung des Kapitallochs bei Fremdwährungskrediten auf 6,1 Milliarden Euro zeigt aber: Das Problem ist aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Gemäß den gesamtwirtschaftlichen Prognose der OeNB wird das Wachstum 2016 bei 1,9 Prozent liegen. "Wir erwarten im Jahr 2016 endlich ein Ende der vierjährigen Wirtschaftsschwäche", kommentiert OeNB-Chef, EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny. Die entsprechende Vorhersage der Deutschen Bundesbank für Deutschland liegt bei 1,7 Prozent. Auch 2017 dürfte Österreich (1,8 Prozent) Deutschland (1,7 Prozent) übertreffen.

Die Aufhellung der Wachstumsperspektiven ist ein Indiz dafür, dass der von Frankenkrediten geschwächte inländische Konsum auf die Beine kommt. Mit einem zu Jahresbeginn stellenweise unter 1 Euro = 1 Franken fallenden Wechselkurs scheint das Schlimmste überstanden zu ein. Von nun an kann es aus der Sicht vieler Häuslbauer nur noch besser werden. Der Euro-Franken-Kurs stieg in der vergangenen Woche auf ein Hoch bei knapp 1,06.

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In Österreich sind aktuell noch Frankenkredite in Höhe von 35 Milliarden Euro, was ungefähr 10 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht, ausständig. Der größte Teil, rund 26 Milliarden Euro, entfällt auf private Haushalte. Die meisten Franken-Kredite müssen ab 2019 auf einen Schlag getilgt werden. Zinsen werden kaum noch bezahlt, weil der für viele Kreditnehmer maßgebliche CHF 3-Monats-Libor von der Schweizerische Nationalbank (SNB) drastisch gesenkt wurde.

Das Problem mit den Franken-Krediten dürfte zurückkommen. Das Kapitalloch der österreichischen Banken hat sich im ersten Quartal 2015 von 3,1 Milliarden Euro auf 6,1 Milliarden Euro ausgeweitet, wie eine Untersuchung der OeNB zeigt. Der von vielen Franken-Kreditnehmern angesparte Tilgungsträger - meist handelt es sich hier um eine Lebensversicherung - reicht oft nicht aus, um den Frankenkredit zurückzuzahlen.

Weil die Tilgungsträger weniger wert als die ausständigen Kredite sind, haben Banken große Löcher in ihrer Bilanzen. Diese müssen zum Ende des Jahrzehntes verstärkt geschlossen werden. Wenn es schlecht läuft, drosseln die Banken ihre Kreditvergabe, um die Löcher zu schließen. Dadurch könnte sich ab 2020 das Wachstum spürbar verlangsamen.

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