19.06.15

Geldwand-Theorie: Bleibt der Euro über 1,00 Franken?

Der Schweizer Franken nimmt dem Euro seine Gewinne weg. So tauscht der Eurokurs die Marke von 1,08 Franken gegen die Marke von 1,04 ein. Hintergrund ist eine Schlafwagen-Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die Währungshüter finden den Franken zwar für zu teuer. Sie haben allerdings keinen plausiblen Plan, wie man das ändern kann. Sinkt der Euro nun wie von der HSBC prognostiziert auf 0,95 Franken?

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Monat für Monat für 60 Milliarden Euro Anleihen, um damit die von ihr ausgegebene Währung abzuschwächen. Die EZB-Verantwortlichen sagen zwar nicht, dass sie den Wechselkurs auf dem Kieker haben. Es gilt allerdings als gesicherte Erkenntnis, dass Mario Draghi die Gemeinschaftswährung abschwächen möchte, um das Wachstum in Frankreich und Italien anzukurbeln.

SNB-Chef Thomas Jordan und sein Direktorium wollen bei diesem Spiel nicht mitspielen. Dies machten sie vor einem halben Jahr mit der plötzlichen Aufhebung des Euro-Mindestkurses bei 1,20 Franken deutlich. Statt mit der Bilanz-Ausweitung über den Ankauf von Fremdwährung versucht die Schweizerische Nationalbank seitdem mit negativen Zinsen der EZB-Geldwand etwas entgegen zu stellen.

"Die negativen Zinsen in der Schweiz machen Anlagen in Franken weniger attraktiv und werden über die Zeit zu einer Abschwächung des Frankens beitragen", erklärt SNB-Chef Thomas Jordan im Anschluss an die vierteljährlich stattfindende Notenbanksitzung. Seine Rechnung ging bisher nicht auf. Der Eurokurs notiert aktuell bei 1,04 Franken. Im Februar 2015 waren es noch bis zu 1,08.

Bei den Devisen-Prognostikern überwiegt noch der Optimismus. Viele Banken rechnen mit einem Anstieg des EUR/CHF-Kurses auf 1,10. Unter den Global Playern gibt es aber auch Pessimisten, wie die HSBC. Die britische Großbank prognostiziert bis Jahresende 2015 einen Rückgang des Euro auf 0,95 Franken. Sie ist damit noch schwarzseherisch als die Commerzbank, die mit 0,98 rechnet.