22.06.15

Tsipras installiert tückische Sollbruchstelle im Euroraum

Der Euro lässt sich nicht aus der Reserve locken: Erst muss die Griechenland-Rettung in trockenen Tüchern sein, dann könnte der Euro-Franken-Kurs Höhenluft schnuppern. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,0420 Schweizer Franken. 1 Euro ist 0,96 Franken wert. Athens neue Reformliste hat einen fiesen Beigeschmack: Sie spaltet die Euroländer.

Die von Athen den Geldgebern unterbreiteten Vorschläge sind eine kleine Sensation. Sie beinhalten neben Erhöhungen der direkten Steuern auch eine Anhebung der Mehrwertsteuer und Rentenkürzungen. Dass sich Alexis Tsipras zu solchen Maßnahmen durchgerungen hat, lässt viele Beobachter stutzig werden. Die Gefahr einer Fortsetzung des Schuldenstreits wird paradoxerweise größer.

Frankreich und Italien sprechen sich für eine schnelle Einigung aus. Man müsse alles dafür tun, um bereits heute Abend eine Lösung zu finden, sagt Frankreichs Staatspräsident François Hollande. Die um Deutschland versammelten Euro-Nordstaaten treten auf die Bremse. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein finnischer Amtskollege Alexander Stubb äußern sehr niedrige Erwartungen an das Griechenland-Treffen.

"Wenn es nicht gelingt, eine größere Mittelfristigkeit einzubeziehen, werden wir das weiterhin im Dreimonatszyklus sehen." So lautet die von Michael Hüther, dem Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gegenüber der Agentur Dow Jones getätigte Einschätzung. Er verweist auf die wiederholten Notgipfel zur Rettung Griechenlands.

Der Euro-Franken-Kurs scheint diese Einschätzung zu teilen. Die Unsicherheit über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone könnte sich Monate hinziehen, zumal die griechische Regierung noch das eine oder andere Ass im Ärmel hat. So könnte man beispielsweise die Schulden für illegal erklären.