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22.05.15

Tsipras-Chamäleon ändert die Farbe

Der Euro bekommt gegenüber dem Schweizer Franken ein wenig Aufwind, nachdem die zwei größten Volkswirtschaften Europas mit robusten Konjunkturdaten glänzen. Aktuell notiert der Euro-Franken-Kurs bei 1,0425 - nach 1,0385 am Vortag. Griechenlands Premier Tsipras stellt nach einer Unterredung mit Merkel und Hollande eine Einigung im Schuldenstreit in Aussicht.

Zwar hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Mai ein wenig verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank aber nicht so stark wie von Ökonomen befürchtet. Das Barometer fiel um 0,1 Punkte auf 108,5 Zähler. "Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs", sagt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. In Frankreich steigt der Geschäftsklimaindex für die Industrie auf den höchsten Stand seit vier Jahren, teilt die Statistikbehörde Insee mit.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich derweil erneut mit Angela Merkel und François Hollande zu einem netten Plausch getroffen, um den Schuldenstreit zu diskutieren. Konkrete Ergebnisse gab es, wie erwartet, keine. Tsipars stellte nach dem Treffen eine mögliche Einigung bis Ende Mai 2015 in Aussicht. Merkel und Hollande äußerten sich sehr viel vorsichtiger.

Chamäleon

Tsipras brauche diese symbolischen Treffen mit den Vertretern der größten Länder, um seinen Machterhalt zu sichern, sagen politische Beobachter. Der griechischen Bevölkerung soll gezeigt werden: "Seht her, ich rede - anders als die Vorgängerregierungen - auf Augenhöhe mit den Geldgebern."

Der griechische Ministerpräsident hat eine katastrophale Bilanz vorzuweisen. 20 Milliarden Euro wurden seit seinem Amtsantritt von öffentlichen Konten in dunkle Kanäle verschoben. 30-35 Milliarden Euro sind von der Bevölkerung abgehoben oder ins Ausland geschafft worden. Die griechische Zentralbank spricht von einem Banken-Run ungeahnten Ausmaßes.

Wenn Tsipras zurück in Athen ist, dürfte er wieder gegen die Geldgeber wettern und rote Linie abstecken. Der Linkspopulist sperrt sich gegen eine Arbeitsmarktreform und eine Rentenreform und bläht die Beschäftigung im öffentlichen Dienst auf. Die Wohltaten sollen die Steuerzahler der anderen Euroländer bezahlen, weil es Griechenland mittlerweile noch nicht einmal schafft, ohne den laufenden Zinsdienst alleine über die Runden zu kommen.