1.2.15

EUR/CHF-Kurs wird zum Grexit-Barometer

Der Franken ist nach der plötzlichen Aufgabe der Stützgrenze wieder zu 100 Prozent ein sicherer Hafen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) löst sich vom Euro. Damit gewinnt die Schweiz ihre Unabhängigkeit zurück und wird attraktiv für all jene Investoren, für die die Tage Griechenlands im Euroraum gezählt sind. Die EU-Kommission will die marktwirtschaftliche Notwendigkeit eines Grexit nicht anerkennen und wird zur neuen SNB.

Am Devisenmarkt gibt die Gemeinschaftswährung nach. Der Euro-Franken-Kurs sinkt von 1,0523 auf 1,0350 Franken, nachdem der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Geldgeber-Troika öffentlichkeitswirksam aus dem Landes wirft, indem er sie als "Komitee mit fauler Grundlage" bezichtigt.

Ein Euro-Austritt Griechenlands (Grexit), der den Euro-Franken-Kurs kurz auf die Tiefs vom 15. Januar 2015 bei 0,86 abstürzen lassen könnte, kommt prinzipiell näher. Wenn da nicht EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wäre. Mit ihm werde es keinen "Grexit" geben, heißt es aus seinem Umfeld.

Juncker ersetzt Jordan

Die Rolle der EU-Kommission ist vergleichbar mit der der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu Zeiten des Mindestkurses. SNB-Chef Thomas Jordan wollte partout nicht einsehen, dass der Euro bei 1,20 Franken überbewertet war. In Brüssel will man nicht kapieren, dass Griechenlands neue Regierung für Wachstumswüste und Kapitalflucht steht.

Der öffentliche Beschäftigungssektor wird in Griechenland wieder aufgebläht, während man die private Wirtschaft, die Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand schafft, aushöhlt. Privatisierungen ersetzt Griechenlands Premier Tsipras durch Wirtschaftsdirigismus. Kein privater Investor mit klarem Kopf dürfte aufgrund der neuen Bevormundungspolitik eine größere Investition stemmen.

Brüssel wird laufend neue Schecks schreiben müssen, damit es in Griechenland nicht zu einem Staatsbankrott kommt. Juncker hat offenbar auch schon einen Masterplan, wie er das Fass ohne Boden durchfinanziert.

Im Stabilisierungsfonds für die griechischen Banken liegen noch sieben Milliarden Euro. Diese könnten als Geldgeschenk für die Tsipras Regierung umgewidmet werden, damit es Athen bis Juli schafft. Anschließend könnte die EZB den Druck von der Regierung nehmen, in dem sie ihr massives Anleihekaufprogramm auf griechische Staatsanleihen ausweitet.

Das Durchwursteln von Junckers EU-Kommission, die wirtschaftliche Realitäten konsequent ignoriert, dürfte dazu beitragen, dass sich der Schweizer Franken noch größerer Beliebtheit erfreut.

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