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30.03.14

Zähneklappern statt Mindestkurs-Selbstbewusstein

Weil der Euro nicht mehr über die Marke von 1,22 Franken hinaus kommt, startet die Schweiz eine Einschüchterungskampagne. Ziel ist es den Franken-Bullen, das sind solche Marktteilnehmer, die den Eurokurs unter 1,20 sehen wollen, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Party soll endlich gestoppt werden.

Von einer kleinen Sause der Franken-Bullen kann durchaus gesprochen werden. Die europäische Gemeinschaftswährung sank zwischen dem 8. Januar und 3. März 2014 von 1,2395 auf 1,2104 Schweizer Franken (-2,35 Prozent). Aktuell besitzt 1 Euro einen Gegenwert von 1,2193. Im Lichte dieser Kursentwicklung kann von einem sich abzeichnenden Ende der Eurokrise keine Rede sein.

Ein Anstieg des Euro zum Franken sei trotz der Konjunkturerholung ausgeblieben, stellte Dewet Moser, Stellvertretendes Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), am Donnerstag am Geldmarkt-Apéro in Zürich etwas verzweifelt fest. Der Franken sei nach wie vor hoch bewertet.

Deutlicher wurde SNB-Vize Fritz Zurbrügg: "Wenn es nötig sein sollte, werden wir deshalb den Mindestkurs durch den Kauf von Devisen in unbeschränkter Höhe durchsetzen." Der Euro-Mindestkurs bei 1,20 Franken bleibe "auf absehbare Zeit notwendig". Auch Zurbrügg, wie sein Kollege Moser, sagte: "Des Weiteren ist der Franken nach wie vor hoch bewertet."

Schlechtes Gewissen

Der Nationalbank klappern vor der Europäischen Zentralbank (EZB) die Zähne. Zuletzt hatten die EZB-Ratsmitglieder Jens Weidmann und Erkki Liikanen den Ankauf von Schuldtiteln in Aussicht gestellt. Das ist insofern überraschend, weil beide bisher als Vertreter einer restriktiveren Geldpolitik gegolten hatten.

Aus der Sicht der SNB ist die Gleichung für den Euro-Franken-Kurs recht einfach. Wenn die EZB die Geldschleusen öffnet, werden die Franken-Bullen versuchen, den Euro auf 1,20 zu drücken. Zur Verteidigung der Untergrenze müsste man Euro-Stützungskäufe durchführen. Mittelfristig sähe sich die SNB gezwungen Negativzinsen auf Bankeinlagen einführen, um die Öffnung der Geldschleusen im Euroraum zu egalisieren.

Am liebsten wäre es Züricher-Nationalbank wahrscheinlich, wenn sie garnichts machen müsste, während sich der Euro bei 1,22 Franken durch das Jahr wurstelt. Die jüngste Öffentlichkeitskampagne der SNB zeigt jedoch, dass ihr die Zähne klappern. Die Abkehr von marktbasierten Wechselkursen ist ein Manipulationsvorgang, den eine hochentwickelte Volkswirtschaft wie die Schweiz nicht nötig hat.

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