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23.01.14

Rätselraten um den autistischen Euro-Franken-Kurs

Der Wechselkurs des Euros gegenüber dem Schweizer Franken hat sich von objektiven Maßstäben scheinbar völlig losgelöst. Obwohl im Euroraum die Geschäftstätigkeit der Unternehmen stärker anzieht als erwartet, kommt beim Eurokurs nichts davon an. Devisenexperten reiben sich die Augen, weil der Schweizer Franken sogar aufwertet.

Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2315 Franken, nachdem sie im asiatischen Handel bis zu 1,2362 gekostet hatte. Die für die Verhältnisse des EUR/CHF Devisenpaares recht deutlichen Verluste von knapp einem halben Rappen, zu denen es binnen weniger Stunden kommt, sind objektiv nicht nachvollziehbar.

Die wirtschaftliche Erholung im Euroraum hat sich spürbar verstärkt. Der als besonders zuverlässig geltende Einkaufsmanager-Frühindikator (PMI) für das produzierende Gewerbe kletterte von 52,7 Zählern im Dezember 2013 auf auf 53,9 Punkte im Januar 2014. Analysten hatten nicht damit gerechnet, dass der PMI-Index so weit die Wachstumsschwelle bei 50 Zählern überragen könnte.

Es gibt weitere, zentrale Fundamentaldaten, die dafür sprechen, dass die wirtschaftliche Erholung im Euroraum schneller vonstatten geht, wie von OeNB-Chef und EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny zuletzt angedeutet wurde. So kletterten die ZEW-Konjunkturerwartungen für den Euroraum auf ein Zehnjahreshoch, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag mit.

Der von den Euroländern erwirtschafte Leistungsbilanzüberschuss übertraf ebenfalls die Erwartungen. Der Saldo zwischen Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen, Vermögenseinkommen und laufenden Übertragungen stieg im November 2013 auf 23,5 Milliarden Euro, wie die Europäische Zentralbank heute meldete. Ökonomen hatten mit 19,2 Milliarden Euro gerechnet.

Insgesamt legen die Konjunkturdaten den Verdacht nahe, dass die EZB auf weitere Lockerungen, wie eine Leitzinssenkung auf 0,00 Prozent, verzichten dürfte. Allein diese Tatsache sollte dem Euro gegenüber dem Schweizer Franken eigentlich Rückenwind geben. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall, was Marktbeobachter auf eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar zurückführen, die auf den Eurokurs CHF abfärbt.

(Weiterlesen: Deutschland Sündenbock für US-Industriefiasko)

US-Finanzminister Jack Lew, der gerne mit dem Zeigefinger um die Welt reist und anderen Staaten Tipps zur Haushaltsführung gibt, ist erneut das Geld ausgegangen. Laut Lew droht den USA bis Ende Februar 2014 die Zahlungsunfähigkeit. Sodann ist die Schuldenobergrenze mal wieder erreicht.

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