11.10.13

Die SNB kann sich von der Euro-Strömung treiben lassen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) führte seit über einem Jahr keine Euro-Stützungskäufe zur Verteidigung der Untergrenze bei 1,20 Franken durch. Man kann sich von den Kapitalabflüssen des Euros, die zu einer allmählichen Abwertung des Schweizer Frankens führen, treiben lassen. Wegen der Gefahr eines plötzlichen Rückfalls bleibt der Mindestkurs jedoch nach wie vor intakt.

"Seit September 2012 notiert der Wechselkurs des Frankens etwas oberhalb der Marke von 1,20 je Euro", stellte SNB-Präsident Thomas Jordan laut Redetext bei einer Veranstaltung in Washington fest. "Demzufolge musste die SNB den Mindestkurs seit nun über einem Jahr nicht mehr durchsetzen."

Jordan kann auf die seit einem Jahr stagnierenden Devisenreserven verweisen. Zuvor war die Lage für die Nationalbank recht dramatisch. Sie musste zwischen August 2011 und September 2012 ihren Fremdwährungsbestand von 182 Milliarden Franken auf 429 Milliarden Franken erweitern. Ohne den Eingriff wäre der Mindestkurs nicht durchsetzbar gewesen.

"Der Markt wird die Arbeit der SNB übernehmen", sagte der Chef für Währungsstrategie von der französischen Société Générale, Alvin Tan, in einem Gespräch mit Bloomberg. "Wir sehen derzeit eine Auswanderung der Risikoprämie aus der Eurozone, weil die Gefahr eines Auseinanderbrechens zurückgeht. Folglich wertet der Schweizer Franken ab."

Aufgrund der positiven Stimmung an den Finanzmärkten infolge eines sich anbahnenden Endes der Fehde zwischen Demokraten und Republikanern erhöht sich der auf dem Schweizer Franken lastende Verkaufsdruck. Der US-Haushaltsstreit ist gut für die Märkte, weil die Fed nun länger an ihren Anleihekäufen festhalten dürfte.

Auch die Benennung von Janet Yellen zur Nachfolgerin von Fed-Chef Ben Bernanke kommt gut an. Yellen hat bei ihrer Nominierung gesagt, man könne noch mehr tun. Damit dürfte die als Anhängerin einer laxen Geldpolitik geltende Yellen einen unvermindert hohen Einsatz der Notenpresse gemeint haben.

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