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13.09.13

Geheimnisse der Geldpolitik: EZB gibt (Mindestkurs-)Ton an

Der Euro kostet am Freitagnachmittag 1,2375 Franken. Das Devisenpaar befindet sich seit Wochen im Schlafwagen-Modus. Währungsexperten stimmen darin überein, dass die künftige Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Europäischen Zentralbank (EZB) darüber entscheidet, ob der Euro steigt oder sinkt.

Weil die Schweizer Leitzinsen seit Jahren bei Null Prozent liegen, ist die entscheidende Stellgröße der SNB-Geldpolitik der Euro-Mindestkurs bei 1,20 CHF. Die EZB hat noch Spielraum bei der konventionellen Geldpolitik. Im Euroraum befindet sich der Schlüsselzins bei 0,50 Prozent. Gemäß dem Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen ist noch Platz nach unten.

"Wir haben gesagt, dass wir auf absehbare Zeit auf dem aktuellen (Leitzins)Niveau bleiben - oder sogar darunter. Daran hat sich nichts geändert", sagte Asmussen in einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe). Die Inflation im Euroraum sank zuletzt auf 1,3 Prozent. Sie befindet sich damit deutlich unter dem Zielwert der EZB bei zwei Prozent.

Am Tropf der EZB

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) befindet sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Europäischen Zentralbank (EZB). Eine Abschaffung des Mindestkurses würde de facto eine Straffung der Geldpolitik bedeuten. Käme es gleichzeitig zu einer Leitzinssenkung der EZB würde der Euro womöglich auf 1,10 CHF oder 1,00 CHF in den Keller rauschen.

Sollte sich die Nationalbank dazu entscheiden die Zinsen anzuheben, könne es keinen Mindestkurs mehr geben, sagte das SNB-Direktoriumsmitglied Jean-Pierre Danthine der Zeitung "Le Matin Dimanche". Eigentlich müssten die Schweizer Währungshüter die Zinsen erhöhen, um die Hypothekenkreditvergabe zu verringern. In der Schweiz brodelt eine Immobilienblase.

Wegen der Mindestkurs-Politik hat die Schweiz die Unabhängigkeit ihrer Geldpolitik aufgegeben. Man wird sich erst von der Wechselkursuntergrenze trennen können, wenn die EZB ihren Lockerungszyklus beendet hat. Dafür müsste die Inflationsrate im Euroraum spürbar über zwei Prozent steigen.